Innovationen Ernährung

Onkel Rüedu statt Tante Emma – der moderne Quartierladen ist da

1/1 – 24/7 zugänglich und voller lokaler Frischware: Das ist Rüedu (Standort Niederwangen)

Es ist überraschend hell und freundlich im Rüedu-Holzcontainer. Musik untermalt den Besuch, in der Ecke steht eine Kiste mit einem Schild: «Rückgabestelle leere Milchflaschen», daneben die moderne Self-Checkout-Kasse. Aber der eigentliche Blickfang sind die üppig gefüllten Regale: Gebäck, Früchte, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Getränke – fast alles saisonal und aus der Region. Sogar Sträusse und Gestecke, von einer Berner Floristin zusammengestellt, finden sich direkt beim Eingang. Rüedu ist heimelig, irgendwie vertraut, aber gleichzeitig neu und topmodern.

Quartierladen mal anders

Rüedu ist nicht nur ein Lädeli, es ist ein modernes Konzept, das sich die Mittel der Digitalisierung zunutze macht. Ein Selbstbedienungsladen, der sieben Tage die Woche rund um die Uhr zugänglich ist. Das Sortiment, das hier in einem Holzcontainer auf 18 Quadratmetern angeboten wird, besteht grösstenteils aus frischen Lebensmitteln von lokalen, mitunter sehr kleinen Produzenten. «Einerseits wollten wir mit «Rüedu» das Lädeli zurück ins Quartier bringen», erzählt Jürg Burri, der zusammen mit seinem Geschäftspartner Tom Winter das Start Up Rüedu vor etwas mehr als einem Jahr ins Leben gerufen hat, «andererseits bieten wir so den Produzenten aus der direkten Umgebung eine unkomplizierte Plattform, um ihre Ware anzubieten». Und Rüedu darf man auch die krummen Rüebli und unförmigen Tomaten vom Feld bringen, denn: «Wir sind immer auf der Suche nach neuen Ansätzen, wie man Foodwaste verhindern kann». So werden beispielsweise nicht mehr so frische Früchte oder angeschlagenes Gemüse in vergünstigten Foodwaste Bags angeboten, weitere Projekte wie Zusammenarbeit mit Gastronomie sind in Planung. Zudem testen die beiden Gründer beim Standort Niederwangen gerade, ob und wie gut es funktioniert, wenn lokale Lieferanten ihre Ware eigenständig zum Laden bringen und verwalten.

1/1 – Ein bisschen krumm ist nicht schlimm: Bei Rüedu wird nichts verschwendet.

Der Onkel-Rüedu-Laden

Die Geschäftsidee des «modernen Quartierladens» von Tom Winter und Jürg Burri scheint aufzugehen. Bereits neun Rüedus stehen in Bern und Umgebung, 15 sollen es werden. Erst Bern, dann die Welt? «Zürich hat gerade seine ersten beiden Rüedus erhalten, und natürlich haben wir grosse Pläne für die Zukunft», meint Jürg Burri. Rüedu breitet sich aus und steht Tante Emma in nichts nach. Doch wer ist Rüedu? «Manchmal denke ich, ich bin jetzt der Rüedu. Alle haben angefangen, mich so zu nennen», lacht Burri. Einen konkreten Rüedu gibt’s nämlich genau so wenig wie eine Tante Emma: «Der Name war Toms Idee. Jeder in Bern kennt doch einen sympathischen, bodenständigen Rüedu». Vielleicht kennt dank des Startups auch bald jede Zürcherin und jeder Zürcher einen Rüedu. Und so gibt’s ihn halt irgendwie doch, den Marktbetreiber mit dem urchigen Namen, den man 24/7 in seinem Holzcontainer besuchen kann, um ihm ein krummes Rüebli von einem Feld ganz in der Nähe abzukaufen. 

1/1 – Tom Winter (l.) und Jürg Burri, die Erfinder von «Rüedu».